Christian Kern

Was will der neue Vorsitzende und Bundeskanzler? Was treibt ihn an? Welchen Weg will er mit unserer Partei gehen?

Kern

In seinem ersten Email an die Mitglieder gibt er Antworten:
Die meisten von euch kennen mich wahrscheinlich aus meiner Zeit als ÖBB-Chef. Viele von euch aus unserer gemeinsamen Zeit in meiner Bezirkspartei, JG, VSStÖ und Bildung. Dort habe ich gelernt, dass Führen kein Alleingang ist. Klare Ziele sind wichtig. Aber genauso wichtig ist Zuhören, Offenheit für alle Meinungen, Überzeugen und Zusammenführen. Dann werden die richtigen Entscheidungen getroffen, dann werden die richtigen Maßnahmen gesetzt. Dann kommt der Erfolg. Ein großes Unternehmen oder Österreich und unsere Partei zu führen, das ist nicht dasselbe. Die Verantwortung ist noch viel größer – das weiß ich, das spüre ich. Aber mein Stil – zuzuhören, ein klares Bild zu entwickeln, wo es hingehen soll, und dann zu überzeugen – der wird bleiben.

Was haben wir mit eurer Hilfe und Unterstützung mit unserer Sozialdemokratie vor?
Wir brauchen ein umfassendes Projekt der Modernisierung, das klar zeigt, dass wir eine Kraft des sozialen Fortschritts und des individuellen Aufstiegs sind. Ein Projekt, das den Menschen zeigt, wofür sie die Sozialdemokratie brauchen.
Dürfen wir stolz auf das Erreichte sein? Ja, aber wir müssen uns den politischen Auftrag jeden Tag neu erkämpfen. Dann werden wir eine Partei sein, die das Land prägt und gestaltet. Unsere Handschrift muss spürbar sein. Wir werden wieder eine Partei sein, die Wahlen gewinnt und den Führungsanspruch stellt. Wir sind als Bewegung groß geworden, wir müssen in Bewegung bleiben. Zukunft hat die Partei nur als offene Plattform. Dafür brauche ich euch. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, so könnt ihr mich auch noch näher kennenlernen. Ich will mit euch im Gespräch sein, und zwar nicht nur über die Medien. Den Startpunkt setze ich mit diesem E-Mail.

Was werden wir jetzt politisch angehen?
Die ersten Antworten gab ich in meiner Antrittsrede und in den ersten Interviews. Zusammengefasst für euch die entscheidenden Botschaften: Neue Politik beginnt damit, dass wir Klartext reden und die Dinge beim Namen nennen. Es muss Schluss sein mit Leerformeln wie „Wir müssen jetzt mehr auf die Menschen zugehen, wir müssen die Sorgen ernst nehmen“. Dazu kommt der schlechte Stil, das ständige Hick-Hack in der Politik statt des Suchens nach gemeinsamen Lösungen. All das habe ich genauso satt wie ihr. Viel zu oft heißt in Österreich „Kompromiss“: Du verhinderst meine Idee, dafür verhindere ich deine Idee. Wir dürfen unser Denken nicht mit dem Kompromiss beginnen, wir brauchen Klarheit und Unverwechselbarkeit. Eine Identität, die unser Land prägen kann.

Bruno Kreisky hat gesagt: „Wenn eine sozialistische Bewegung keine Visionen hat, dann sind all ihre Anstrengungen nur ein sinnloses und zielloses Taktieren.“

Ich bin überzeugt, er hatte Recht. Also werden wir danach handeln!